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Karl Hanke
Der Gauleiter Schlesiens
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24.08.1903 | geboren in Lauban/Schlesien |
| 1917-25 | Lehre als Mueller, dann Besuch eines Muehlenbautechnikums, mit anschliessendem Besuch eines berufspaedagogischen Instituts. | |
| 1928-31 |
1928 Eintritt in die NSDAP, Nr.: 102 606;
SS-Nr.: 203 103; Gewerbelehrer in Berlin. |
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| 1932 | Abgeordneter im preussischen Landtag und Einzug in den Reichstag. Ausserdem war er zu der Zeit als Hauptamtsleiter im Reichspropagandaministerium beschaeftigt. | |
| 03.1933 | Persoenlicher Referent und Sekretaer von Goebbels im neugeschaffenen Reichsministerium fuer Volksaufklaerung und Propaganda. | |
| 04.1937 | Hanke wird zum Ministerialdirektor befoerdert. | |
| 1937 | Ernennung zum Vizepraesidenten des Reichskulturministeriums | |
| 02.1938 | Karl Hanke wird durch Goebbels zum Staatssekretaer ernannt | |
| 02.1941 | Abschiebung auf den Posten des Gauleiters und Oberpraesidenten von Niederschlesiens | |
| 1945 | Politischer Arm der NSDAP waehrend des Kampfes in der Festung Breslau | |
| Juni 1945 | Vermutlich von tschechischer Militz in Neudorf/Sudeten erschlagen. |
Die Affaere Goebbels-Baarova
und Hankes Anteil
Der Beginn der Laufbahn als Gauleiter von Schlesien war verbunden mit der tschechischen Schauspielerin Lida Baarova (Bild rechts).
In diese junge Frau, die zu der damaligen Zeit erfolgreich bei der UFA in Berlin spielte, hatte sich Joseph Goebbels verliebt. Sein Faible fuer Schauspielerinnen - er soll 36 Affaeren gehabt haben, brachte ihn den Beinamen "Bock vom Babelsberg" ein...
Die Beziehung von Joseph G. mit der Baarova war so weit gegangen, dass er sich sogar von seiner Frau Magda G. scheiden lassen wollte. Den Geruechten zufolge wollte er sogar auf sein Ministeramt verzichten und als Diplomat mit Lida Baarova in das Ausland gehen.
Als Vizepraesident des Reichskulturministeriums hatte Karl Hanke zutritt zu den Groessen seiner Zeit. Mit der damaligen Vorzeige-Frau des Deutschen Reiches, Magda Goebbels (5 Kinder) ist Hanke des oefteren im Berliner Grunewald ausgeritten und hat sich dabei ihrer Sorgen angenommen.
Als Magda G. von Hanke erfuhr, dass ihr Mann Joseph G. sich wegen der Schauspielerin Baarova von ihr scheiden lassen wollte, wandte sie sich persoenlich an A. Hitler.
Angeblich soll AH hier Machtwort gesprochen haben:
Die Goebbels blieben verheiratet, Karl Hanke wurde in die Provinz Schlesien wegbefoerdert und die Baarova erhielt keine Angebote mehr, was faktisch einem Berufsverbot im DR gleich kam ...
In der Festung Breslau
Am Denkmal von Friedrich Wilhelm III, hinter dem Rathaus in Breslau lies der Gauleiter Hanke am Morgen des 28.01.1945 um 6 Uhr den zweiten Buergermeister von Breslau, Dr. Wolfgang Spielhagen, als Feigling erschiessen.
Rozstrzelanie wiceburmistrza Wroclawia, dr W. Spielhagena, który zazedal zazadanie ogloszenia Wroclawia miastem otwartym.
Ernst Hornig, Bischof von Schlesien (bis 1963) in seinem Buch "Breslau 1945" dazu: Diesem Mordbefehl waren jahrelange Zerwuerfnisse zwischen Spielhagen, dem sparsamen und korrektem Stadtbeamten und Hanke, der auf Stadtkosten verschwenderische Feste gab, vorausgegangen.
Nun hatte der Parteiboss einen willkommenden Vorwand fuer die Abrechnung.
Hinweis: Fuer diese Bemerkung von Hornig habe ich keine Nachweise.
Das Denkmal von Friedrich-Wilhelm III dahinter die Suedseite des Rings.
Foto: Henryk Makarewicz, Juni 1945
Offizieller Grund fuer die Hinrichtung war die angebliche vorbereitete Flucht von Spielhagen und seiner Familie. Die Hinrichtung musste von einer Gruppe Volkssturmsoldaten vollzogen werden. Anschliessend wurde der Leichnam Spielhagens auf einem offenen Wagen zur Oder gebracht und anschliessend in den Fluss geworfen.
Hankes Kommentar: Wer den Tod in Ehren fuerchtet, stirbt in Schande.
Auszug aus dem Testament Hitlers, Teil II
... Ich stosse vor meinem Tod den frueheren Reichsmarschall Herman Goering aus der Partei aus und entziehe ihm alle Rechte, die sich aus dem Erlass vom 29. Juni 1941 sowie aus meiner Reichstagserklaerung vom 1. September 1939 ergeben koennten. Ich ernenne an Stelle dessen den Grossadmiral Doenitz zum Reichspraesidenten und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht.
Ich stosse vor meinem Tode den frueheren Reichsfuehrer-SS und Reichsminister des Inneren, Heinrich Himmler aus der Partei sowie allen Staatsaemtern aus.
Ich ernenne an seiner Stelle den Gauleiter Karl Hanke zum Reichsfuehrer-SS und Chef der deutschen Polizei und den Gauleiter Paul Giesler zum Reichsminister des Inneren.
Goering und Himmler haben durch geheime Verhandlungen mit dem Feinde, die sie ohne mein Wissen und gegen meinen Willen abhielten, sowie durch den Versuch, entgegen dem Gesetz, die Macht im Staate an sich zu reissen, dem Lande und dem gesamten Volk unabsehbaren Schaden zugefuegt, gaenzlich abgesehen von der Treulosigkeit gegenueber meiner Person ...
Gegeben zu Berlin, den 29. April 1945, 4.00 Uhr.
Adolf Hitler (Unterschrift)
Als Zeugen:
Dr. Joseph Goebbels, Wilhelm Burgdorf, Martin Bormann, Hans Krebs
Die letzte Rede von Karl Hanke in Breslau
Die FAMO-Werke sind in russischer Hand. Nur fuenf oder sechs Drehbaenke hat die Belegschaft der FAMO retten und in der Innenstadt installieren koennen.
Vor dieser Kulisse erscheint der Gauleiter Karl Hanke am 30.04.1945
in Zivil aber mit fuehrertreuen Durchhalteparolen:
"Haltet aus - Der Fuehrer sieht auf uns!" Ruft er der Belegschaft pathetisch zu.
Es darf darueber spekuliert werden, ob Hanke hier bewusst den Mitarbeitern der FAMO den Freitod Hitlers am gleichen Tag verschwiegen hat. Zwei Indizien - seine zivile Kleidung und der Zeitpunkt deuten aber darauf hin, dass er informiert war.
Gespraech mit dem General
Fuer eine moegliche Kapitulation der Festung Breslau hatte das OKW ein Leichtflugzeug, einen sogenannten Fieseler Storch in die Festung einfliegen lassen. Mit diesem Flugzeug sollte der General Niehoff im Falle einer Kapitulation sich in das FHQ begeben, und Bericht erstatten.
Das aber hatte Niehoff nicht vor. Wie bekannt, ging Niehoff mit seinen Soldaten in die russische Gefangenschaft.
Als der Gauleiter Hanke von den Uebergabeverhandlungen erfuhr, stellte er Niehoff zur Rede: "Dann werde ich sie verhaften lassen"
General Niehoff antwortete aeusserlich gelassen:
"Wenn hier jemand verhaftet, Gauleiter, dann bin ich das wohl"
Hanke war daraufhin derart ueberrascht, dass er sich umgehend fuer seine Drohung entschuldigte, und fragte, was er denn nun tun sollte?
General Niehoff gab ihm u. A. den Rat, freiwillig aus dem Leben zu scheiden.
Der Gauleiter daraufhin:
Das kann ich nicht - ich ich bin noch so jung. Ich muss leben...
Als am 6. Mai 1945 die deutschen Truppen in Breslau kapitulierten, war der Gauleiter Hanke, den Hitler in seinem Testament zum Nachfolger Himmlers als Reichsfuehrer-SS und Chef der Deutschen Polizei ernannt hatte, unauffindbar.
Das Versteck des Fieseler Storch
Von den Russen gesucht, aber nie gefunden:
In der Naehe der Jahrhunderthalle, in einer kleinen Messehalle, war das
Kleinflugzeug gut versteckt.
Hier der Bericht eines Wehrmachtsangehoerigen der Flak-Batterie am Leerbeuteler Berg (Tarnname: Reichsbahn 8):
"Durch Zufall sah ich die Halle, wo schwer bewaffnete SS-Leute das Flugzeug bewachten. Es war in einer kleinen Messehalle gegenueber der Jahrhunderthalle versteckt. In den grossen Hallen wurden auch die Wuerzburger Riesen (unser heutiges RADAR in den Anfaengen) zusammengebaut.
Es war riskant, darueber zu reden..."
Die Flucht des Gauleiters Karl Hanke
In den fruehen Morgenstunden des 6. Mai 1945 flieht Hanke mit dem einzigen Flugzeug, einem, waehrend der Festungszeit gut verstecktem Fieseler Storch.
Beispielfoto eines Fieseler Storch
Der Pilot des Flugzeugs - ein Feldwebel, flog das zu diesem Zeitpunkt noch deutsche Hirschberg an. Dort in Hirschberg, wurde Hanke noch einmal erkannt und gesehen. Aber das eigentliche Fluchtziel von Hanke waren die Einheiten des Generalfeldmarschalls Schoerner im Sudetenland.
Aber noch am gleichen Tag wird Hanke und eine Gruppe der SS-Division Horst Wessel ueberraschend von russischen Soldaten gestellt und in das Sudetenland abgedraengt.
Am 07. Mai 1945 wird Hanke in der Uniform eines SS-Offiziers ohne Rangabzeichen mit einigen anderen SS-Angehoerigen in der Naehe von Komotau (Chomutov) von tschechischen Partisanen gefangen genommen und daraufhin in dem Staedtchen Goerkau (Jirkov) mehrere Wochen von den Tschechen unerkannt inhaftiert (!)
Geruechte - Erschlagen in Tschechien?
Laut Augenzeugen versuchte Hanke Anfang Juni 1945 in der Naehe der Ortschaft Neudorf (Nove Sedlo) aus einem Transport von etwa 65 deutschen Gefangenen zu entkommen.
Die Gefangenen mussten auf dem Bahndamm Richtung Maltheuern gehen, waehrend die Wachmanschaften den Fussweg benutzten. Als sich aus Richtung Goerkau ein Zug naeherte, sprang Hanke ueber die Schienen, andere folgtem ihm. Da der Zug aber nur wenige Waggons hatte, konnten die Fluechtenden keinen weiten Vorsprung gewinnen. Die Wachmanschaften eroeffneten das Feuer, Hanke und zwei weitere Gefangene wurden noch vor einem Bachlauf getroffen. Nur dreien gelang die Flucht.
Die tschechischen Wachmannschaften liefen zu den Getroffenen und schlugen mit Gewehrkolben auf sie ein, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gaben.
Oder doch Flucht nach Argentinien?
Laut einem indirekten Hinweis von Wilfred von Oven in seinem Buch "Wer war Goebbels?" (1987) ist es dem Gauleiter Hanke doch gelungen, sich nach Argentinien abzusetzen. Oven - welcher der persoenliche Pressereferent des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels war - lebte nach dem 2.WK als Korrespondent des "Spiegel" in Argentinien.
Die Behauptung von Albert Speer in seinem Buch "Erinnerungen" (1969) dass Hanke mit einem Protopypen eines Helikopters gefluechtet sein soll, ist reine Phantasie. In dem gleichen Buch schildert Speer die Beziehung Hankes mit Magda G. als eine Liebesaffaere.
Hinweis: Alle Publikationen, die sich auf die "Argentinische These" beziehen, stuetzen sich ausschliesslich auf die Anmerkung von W. v. Oven.
(Stand: Oktober 2005).
Sicher ist, dass Hanke eine Beziehung zu Magda Goebbels hatte. Dies war aber keine Liebesaffaere. Dafuer hatte Gustav Froehlich allen Grund eifersuechtig zu sein. Er war wohl der einzigste Mensch, der Goebbels ungestraft georfeigt hatte, allerdings wegen Lida Baarova. Hier gab es eine engere Beziehung, welches die Baarova nach dem Krieg auch nicht in Abrede stellte.
Die Filmschauspieler Lida Baarova und Gustav Froehlich im Gespraech
mit Joseph Goebbels waehrend einer Party in Berlin/Babelsberg 1936.
Quellenangaben
- Wer war wer im Dritten Reich, Robert Wistrich, Harnack-Verlag, Muenchen 1983
- Dank an Miroslaw K. aus Tschechien fuer die detaliierten Hinweise zu Karl Hanke.
- Breslau 1945, Erlebnisse in der eingeschlossenen Stadt, Ernst Hornig, Bergstadtverlag 1986
- Breslauer Nachrichten,
Mitteilungsblatt des Schlesier-Verbandes 10.09.1949, Nr. 14 - Frauen um Hitler", MDR-Archiv 2003
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