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Die Flucht aus Breslau
Breslau, im Januar 1945:
Die Evakuierung der Breslauer Zivilisten
Da dem Gauleiter Hanke die Evakuierung der Zivilisten zu langsam
vonstatten ging, und Breslau unmittelbar vor der Einschliessung durch
die Rote Armee stand, gab Hanke aufgrund der sich nun ueberstuerzenden
Ereignisse folgenden Tagesbefehl:
Nachdem am Sonnabend, den 20.01.1945 die ersten Lautsprecherdurchsagen
in der Stadt zu hoeren waren, sind nun am Sonntag, den 21. Januar 1945
ueberall Plakate mit einer offiziellen Anordnung des Gauleiters Hanke zu
lesen.
Was das fuer die Zivilisten bedeutete, kann man heute wohl nur noch
erahnen.
Die Evakuierung mit der Deutschen Reichsbahn begann Anfangs relativ
geordnet. Im Bild oben der innere Bahnsteig des Freiburger Bahnhofs.
Binnen weniger Stunden endete die Evakuierung aber in einem Chaos.
In panischer Angst wurden hunderte von Menschen, zumeist Kinder, auf dem
Bahnsteig des Freiburger Bahnhofs zu Tode erdrueckt.
Schlesien, im Januar 1945
Fluechtlingstreck auf der Kaiserbruecke,
Ende Januar 1945
Foto: © privat
Nachstehend ein Zitat aus
"Wie Breslau fiel"
von Friedrich Grieger, 1948
"Es ist ein schwerer Winter, die Oder voellig zugefroren. Bei mehr als
-16° C Kaelte ziehen tausende von jungen und alten Frauen mit
Kinderwagen, Schlitten und kleinen Ziehwagen auf verschneiten
Landstrassen in die Winternacht hinaus. Fuer Hunderte von Kleinkindern
war diese Nacht die Letzte. In den Strassengraeben Richtung Liegnitz
liegen in den naechsten Tagen massenhaft Saeuglingsleichen, erfroren,
zurueckgelassen von den in panischer Angst Fluechtenden. Allein in
Neumarkt wurden ueber 40 Kleinkinderleichen, saeuberlich auf Stroh
niedergelegt, gezaehlt. Koffer, Bettenbuendel und Kleidungsstuecke
garnieren die Graeben der Landstrassen..."
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Breslauer Muetter und Kinder, bei Eiseskaelte und zu Fuss auf der Flucht
- meine Mutter und mein Bruder waren dabei.
Die Angst ist nicht unbegruendet.
Die Schreckensmeldungen der Massaker der Russen, z.B in
Nemmersdorf/Ostpreussen, sind den Deutschen nur zu bekannt.
Im Bild links russische Panzertruppen in einer schlesischen Ortschaft
mit plattgefahrenen deutschen Soldaten.
Sebastian Haffner: Hitler und wir
Essay: Kaum jemand spricht ueber den Verrat der Nazis an Deutschland
Im Kapitel Verrat handelt Haffner von Hitlers letzten Raeumungs- und
Vernichtungsbefehlen, von seinem Endkampf gegen sein Volk.
Wer sich etwa die Vorgaenge um die Festung Breslau von Januar bis Mai
1945 vor Augen fuehrt, wird nicht mehr so leichtfertig vom Volk der
Taeter und Moerder sprechen, wie es kommod geworden ist.
Dort liess ein buchstaeblich von der Strasse aufgestiegener Gauleiter
(Karl Hanke) die eigene Stadt in Schutt und Asche legen, jagte bis
auf die wehrfaehigen Maenner - ihre Einwohner hinaus auf einen
Wintermarsch, der fuer viele Frauen und Kinder zum
Todesmarsch1 wurde.
Dann liess er ein riesiges Rollfeld2 in die
unwiederbringliche Altstadt3 sprengen, angeblich fuer die
zivile und militaerische Versorgung und den Entsatz der von den Russen
belagerten Stadt aus der Luft.
Nichts davon traf ein.
Die Landebahn wurde ein einziges Mal benutzt4 - als
Startbahn: Der da am Morgen vor der Kapitulation im letzten verfuegbaren
Fieseler-Storch
startete, war der Gauleiter. Das Flugzeug hatte er dem kommandierenden
General5 geklaut, der mit seinen Soldaten nach Sibirien ging.
So verhielt es sich mit dem Patriotismus der Nazis. Und Breslau ist nur
ein Beispiel...
Unveraendertes Zitat vom 06.01.1999 aus: http://www.welt.de
Hinweise zum Essay:
1 So auch der Bericht meiner Mutter, die am Montag, den
22.01.1945 zusammen mit meinem Bruder (damals 8 Jahre alt)
und einer Nachbarin mit deren Kindern, die Flucht nach
Westen zu Fuss antrat. Bereits nach der ersten Uebernachtung
in einer Scheune waren die Ersten erfroren...
2 oestlich der Kaiserbruecke
3 Die Bezeichnung "Altstadt" stimmt so nicht. Ab dem
11.03.1945 lies der Gauleiter Hanke die gesamte
Kaiserstrasse, dessen Mittelpunkt der Scheitniger Stern war,
in Flammen setzen, sprengen und einebnen.
Die Strasse, die heute ueber das ehemalige Rollfeld fuehrt,
heisst jetzt plac Grunwaldzki.
4 laut polnischen Angaben ist der Fieseler Storch von einem
Weg in der Naehe der Jahrhunderthalle gestartet.
Hinweis: Diese Information aus Wroclaw (2003) laesst sich auch
nachvollziehen. War doch der Fieseler Storch (offizielle Bezeichnung
Fi156) ein Leichtflugzeug, dass so gut wie ueberall landen und starten
konnte. Zudem waere ein Transport vom Versteck in der Naehe der
Jahrhunderhalle zum Rollfeld zu zeitaufwendig und gefaehrlich gewesen...
5 Festungskommandant der Stadt Breslau:
General der Infanterie, Hermann Niehoff
Kleine Chronik meiner Familie
| 22. Januar 1945 | Meine Mutter und mein Bruder fluechten zu Fuss aus Breslau |
| 09. Februar 45 | Auf dem Weg von Bayern nach Breslau kommt mein Vater durch das noch unzerstoerte Dresden. Er berichtet von der voellig ueberfuellten Stadt und den chaotischen Zustaenden auf dem Hauptbahnhof. |
| 11. Februar 45 | Mein Vater kommt in Breslau an und meldet sich bei seiner Firma, der FAMO. Er wird sofort wieder als Werkmeister eingesetzt. |
| 12. - 13. Februar 45 | Auf der Flucht nach Westen uebernachtet meine Mutter ca. 20-30 km noerdlich von Dresden (Grube Erika) ? Durch den naechtlichen Feuerschein wird sie Zeuge des Terrorangriffs auf Dresden. |
| 15. Februar 45 | Breslau ist von der Roten Armee eingeschlossen. |
| 06. Mai 1945 | Vier Tage nach der Kapitulation von Berlin kapituliert auch die Festung Breslau. |
| Februar 1946 |
Mein Vater verlaesst fuer immer Breslau
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Nach Flucht und Trennung wieder vereint
Wolfsburg, im September 1946
Im Bild meine Eltern und mein Bruder.
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